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Kränkung

Kränkung
Kränkung

Mit Sicherheit kennst du das Gefühl, wenn dir etwas in den falschen Hals kommt. Du bist beleidigt, verärgert und schmollst vielleicht ein paar Stunden, vielleicht auch Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre lang?

 

In der Tat kann es sehr schnell gehen, dass man sich gekränkt fühlt. Jemand sagt etwas ohne über die Worte nachzudenken. Du bist gerade in etwas dünnhäutiger Stimmung und bämm, schon ist es passiert. Du wurdest versetzt oder nicht zu einer Party eingeladen.

 

Jemand äusserst sich negativ über dein neues Kleid oder deine neue Haarfarbe. Das sind die «alltäglichen» Kränkungen. Als schwere Kränkung empfinden viele z.B. einen Jobverlust oder eine Trennung. Vielleicht hast du selbst auch schon eine schwere Kränkung erlebt. Aber auch die «kleineren» Kränkungen sind nicht ausser Acht zu lassen. Sie fressen sich über Jahre in deine Seele und lassen dein Selbstwertgefühl schwinden. In solchen Situationen fühlst du dich verletzt, angegriffen, ungerecht behandelt, gedemütigt, herabgesetzt, abgelehnt, zurückgewiesen, übergangen, ignoriert usw. 

 

Der (Gesprächs)Partner wirft dir vor eine Mimose zu sein, empfindlich zu sein, alles falsch zu verstehen, alles persönlich zu nehmen, sofort beleidigt zu sein, keine Kritik zu vertragen, nie richtig zuzuhören, vorschnell zu reagieren, dazwischenzureden usw. 

 

Wenn die Menschen mehr miteinander reden und sich gegenseitig besser zuhören würden, könnten sie sich einiges ersparen, denn oft sind es einfach nur Missverständnisse, die zu Kränkung und Streit führen. Es wird wirklich sehr oft nicht über Dinge, Worte und Gefühle, die einen beschäftigen nicht gesprochen, man schmollt lieber ewige Zeiten vor sich hin.

 

Das bringt weder dem einen noch dem anderen was. Doch, etwas bringt es, Stress, es geht dir nicht gut, die Freundschaft oder Beziehung leidet darunter, das Arbeitsklima ist nicht toll, du denkst immer wieder darüber nach, es belastet dich, du wirst vielleicht sogar krank usw. Das möchte ja niemand, auch du nicht. Und trotzdem ziehen viele Menschen das Schmollen dem Klären vor. Leg es auf den Tisch, wenn du dich gekränkt fühlst. Räume das Übel aus der Welt. Die andere Person hat vielleicht etwas Unbedachtes gesagt und ist sich dessen möglicherweise nicht einmal bewusst und versteht nicht, was mit dir gerade ab geht, weshalb du dich «so komisch» verhältst.

 

Kränkungen sind Angriffe auf Selbstachtung, Würde, Stolz und Werte. Sie treffen uns ganz tief im Inneren. Und oftmals ist eine ungeklärte Kränkung die Ursache dessen was darauf geschieht, der Grund des darauffolgenden Übels.

 

Man sagt auch, dass Kränkungen nur was für Weicheier sei. Das stimmt für mich so nicht. Wenn man sich gekränkt fühlt, kann das vielerlei (Hinter-)Gründe haben, was nichts mit Weichei oder dergleichen zu tun hat. Wir Menschen stehen nicht gerne zu Kränkungen, ja, sie sind uns vielleicht peinlich. Und deshalb schlummern Kränkungen oft im Verborgenen vor sich hin und breiten sich langsam aus. Es kann Jahre dauern bis irgendeine Kleinigkeit den roten Knopf drückt und einen Riesenknall auslöst. 

 

Deshalb ist es wichtig das Thema aus der Welt zu schaffen und auf Ursachenforschung zu gehen.

 

Wie viele Entscheidungen wurden aus einer Kränkung heraus getroffen? Weil sich jemand auf den Schlips getreten fühlte? Wie viele Handlungen basieren auf einer Kränkung? Menschen schmieden Rachepläne, Hasstiraden füllen Medien, Morde geschehen, Menschen reden nicht mehr miteinander, Familien und Beziehungen fallen auseinander. Weil einer den anderen beleidigt hat und man nicht den ersten Schritt zur Klärung tun möchte? Die Welt ist voll von Kränkungen und deren zum Teil schrecklichen Folgen.

 

Weshalb bekommt man denn vieles in den falschen Hals? Das können z.B. folgende Punkte sein:

 

- Du hast vielleicht grundsätzlich eine negative Einstellung anderen Menschen gegenüber. Du glaubst, dass jeder dich ausnützen oder betrügen möchte. Hinter einem Verhalten vermutest du einen Angriff oder eine Bedrohung.

 

- Du hast eine negative Einstellung dir selbst gegenüber. Du fürchtest dich davor, dass andere dich genauso negativ sehen könnten, wie du selbst es tust. Und deshalb deutest du das Verhalten oder die Worte anderer ziemlich schnell als Ablehnung oder Kritik. So nebenbei, Kritik kann auch positiv sein.

 

- Du interpretierst irgendetwas in die Mimik und Gesten des anderen, was nicht ist. Du interpretierst falsch. Aufgrund deiner Erfahrungen ist deine Interpretation für dich richtig, aber das muss für den anderen nicht so sein. Vielleicht hat der den Kopf während dem Gespräch nur abgewendet ab, weil er Nackenschmerzen hat oder weil er die Halskehre hat oder weil draussen eine Katze über den Rasen gerannt ist. Verstehst du was ich meine?

 

- Du hörst dem anderen nicht richtig zu. Vielleicht bist du abgelenkt oder bist mit deinen eigenen Gedanken beschäftigt und du kriegst nicht die ganze Unterhaltung mit. Du hörst vielleicht nur Teilsätze, die du dann völlig aus dem Kontext herausnimmst und eine Meinung bildest. Der Satz kann für sich alleine stehend etwas völlig anderes bedeuten, als er im Zusammenhang in der ganzen Unterhaltung hat. Frage nochmals nach, bevor du etwas falsch auffasst: «Sorry, ich war gerade abgelenkt, kannst du es bitte nochmals wiederholen?» Das dauert nur ein paar Sekunden.

 

- Aufgrund deiner bisherigen Erfahrungen gibt es Worte, die dich triggern. Du erinnerst dich an negative Erlebnisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Fällt ein solches Trigger-Wort, denkst du im gleichen Moment, dass dein aktueller Gesprächspartner es genauso oder ähnlich meint, wie deine Erfahrungen es dir sagen. Wenn du einem Trigger-Wort auf die Schliche gekommen bist, frage dich, woher es kommt, was es mir dir zu tun hat. Prüfe deine damalige Erfahrung. Weshalb triggert dich das Wort? Gehe auf Ursachenforschung, so kannst du den Trigger auflösen. 

 

- Du gibst Worten eine andere Bedeutung als dein Gesprächspartner. Für dich hat ein bestimmter Begriff eine andere Bedeutung, als für den anderen. Frag einfach nach «Wie hast du das gemeint?» Ich selbst kann ein Liedchen davon singen. Oft waren Missverständnisse da, weil für mich ein Wort eine andere Bedeutung hatte als für den anderen. Manchmal ist für dich ein Wort mit negativen Touch behaftet, für den anderen ist es aber etwas völlig Positives. 

 

- Möglicherweise hast du zu hohe Erwartungen an die andere Person. Da kann man schnell mal enttäuscht sein, wenn die andere Person den Erwartungen nicht gerecht wird. Das wiederum wird oft damit assoziiert «Er/sie mag mich nicht». 

 

- Usw.

 

Lege dein Augenmerk auch auf dein Gegenüber. Ist der andere grundsätzlich «beleidigend»? Hat er selbst gerade Probleme? Wie steht es um das Selbstwertgefühl des anderen? Hat er sich vielleicht vorher von dir angegriffen gefühlt und das ist seine Reaktion darauf? Hast du richtig verstanden, was er/sie gesagt hat? Nicht nur akustisch, sondern auch sinngemäss? Kann der andere sich nicht gut in andere hineinversetzen? Ist die andere Person generell so oder handelt es sich gerade um eine Ausnahmesituation? Ist die andere Person vielleicht nur müde oder war schon vorher genervt? Wie ist die Laune der anderen Person gerade? Usw.

 

Welche Konsequenzen oder Folgen können auftreten, wenn du schnell eingeschnappt und nachtragend bist? Wie reagierst du und wie reagiert dein (Gesprächs)Partner/in möglicherweise auf dein Beleidigt-Sein?

 

- Dir steht der Sinn nach Rache. Du möchtest es dem anderen heimzahlen, du möchtest ihn/sie genauso verletzen.

 

- Vielleicht tauchen körperliche Symptome wie Unruhe auf, das Herz schlägt schneller, der Puls rast oder vielleicht wird die schwindlig oder übel.

 

- Du ziehst dich schmollend und vielleicht auch weinend zurück, um dem anderen ein schlechtes Gewissen zu machen. Er soll sich schuldig fühlen, er wird quasi emotional erpresst.

 

- Du grübelst ständig darüber nach, wie er oder sie dir das antun konnte. Du kannst dich nicht auf andere Dinge konzentrieren. Du denkst, er/sie trampelt auf deinen Gefühlen herum. Du fühlst dich unwichtig.

 

- Du wirfst dem Partner vor, dass er gemein und rücksichtslos ist, dass er dich nicht lieben würde.

 

- Du hast ständig Angst vor Zurückweisung und Ablehnung.

 

- Du kramst jedes Mal in alten Geschichten herum und holst alte Verletzungen hervor. Du rührst in kaltem Kaffee und gräbst im Schnee von gestern.

 

- Er/sie reagiert immer öfter genervt.

 

- Er/sie macht dir Vorwürfe, dass du ständig überreagierst.

 

- Er/sie zieht sich emotional oder auch physisch zurück und denkt sogar über eine Trennung nach. 

 

- Er/sie hört dir nicht mehr richtig oder gar nicht mehr zu.

 

- Er/sie redet immer weniger.

 

- Er/sie geht dir aus dem Weg, ist weniger zuhause.

 

- Er/sie legt jedes Wort auf die Goldwaage, aus Angst du könntest wieder überreagieren und gekränkt sein.

 

- Usw.

 

Wie kannst du Kränkungen entgegensteuern?

 

Wenn du Worte anderer persönlich nimmst, bist du schnell beleidigt. Du bist eingeschnappt, fühlst dich gekränkt und gedemütigt. Du fühlst dich kritisiert oder «herabgemacht». Es schmerzt. Auf Dauer schadet es einer Psyche und auch deinem Körper. Wiederholte seelische Verletzungen machen schlussendlich den Körper krank. Der eine ist schnell beleidigt, der andere nicht. Wovon ist der Beleidigungs-Pegel abhängig?

 

- Selbstwertgefühl. Je geringer es ist, desto anfälliger bist du auf Kränkung.

 

- Bei Kritik in Gegenwart von anderen Menschen, fühlst du dich «besonders» gekränkt.

 

- Bist du fit und gesund, setzt du dich negativen Aussagen entgegen und reagierst darauf. Du klärst «den Fall». Bist du krank, stellst du dich negativen Aussagen anderer eher nicht entgegen. Du schluckst sie herunter.

 

- Frauen sind gewöhnlich schneller verletzt und beleidigt als Männer.

 

- Hast du schon wunde Punkte, dann kannst du erneute Verletzungen genau in diesem einen wunden Punkt als besonders verletzend empfinden. 

 

- Hast du hohe Erwartungen an andere, gibst du ihnen die Möglichkeit dich zu verletzen, indem sie deine Erwartungen nicht erfüllen können (weil sie zu hoch waren). 

 

- Wenn du glaubst, dass der andere nach bestem Wissen und Gewissen handelt, bist du weniger verletzt, als wenn du einen bewussten Angriff hinter dem Verhalten des anderen vermutest.

 

Kränkungsgefühle entstehen, wenn ein anderer etwas sagt oder tut und du dies als Ablehnung, Abwertung oder Demütigung bewertest. Du fühlst dich persönlich angegriffen und siehst es als eine «Bedrohung». Um diese Bedrohung abbauen zu können, benötigst du eine Strategie.

 

- Entspannung – Setze dich aufrecht hin und beobachte deinen Atem. Atme tief und langsam ein und durch die Nase wieder aus. Alle Muskeln anspannen und wieder loslassen. Mach dies solange, bis du dich entspannt fühlst.

 

- Gedanken – Hinterfrage das Gesagte oder das Verhalten. Hat der andere das wirklich so gemeint, wie du es aufgefasst oder verstanden hast? Liegt ein Missverständnis vor? Welche Beweggründe stecken hinter der vermeintlichen Beleidigung? Wollte er dich wirklich verletzen oder hatte er andere Beweggründe? Vielleicht ist er selbst ja unzufrieden oder ist er neidisch?

 

- Selbstwertgefühl – Der wirkungsvollste Schutz gegen seelische Verletzungen und Kränkungen ist ein positives Selbstwertgefühl und ein gesundes Selbstvertrauen. Je stärker dein Selbstwertgefühl ist, umso weniger nimmst du Meinungen oder Kritik anderer persönlich. Mit einem guten Selbstwertgefühl hast du dann vielleicht auch gerade einen passenden coolen Spruch auf Lager, wenn eine Kritik fällt. Wenn du davon überzeugt bist, liebenswert zu sein, beziehst du die Worte anderer nicht auf dich selbst. Du fühlst dich nicht angesprochen und somit auch nicht verletzt. Verwundbar ist nur, wer gering von sich denkt.

 

Wenn du dich (wieder) einmal beleidigt fühlst, frage dich, weshalb du gerade in dem Moment genauso empfindest. Steckt ein Trigger dahinter? Ein bestimmtes Thema, das vielleicht aufgelöst werden möchte? Handelt es sich vielleicht um ein Missverständnis? Gut möglich! Sprich mit der anderen Person. Vor dich hinzuschmollen kostet dich nur wertvolle Energie und wertvolle Zeit deines Lebens. Natürlich kannst du auch später das Gespräch suchen, erst wenn du dich beruhigt hast. Schiebe es aber nicht auf die lange Bank. Verschwende deine Zeit nicht damit Rachepläne zu schmieden oder damit monate- oder jahrelang nicht mehr mit einer bestimmten Person zu reden oder damit die beleidigte Leberwurst zu spielen. Verwende deine Zeit dafür Kränkungen auf den Grund zu gehen, das Thema aufzulösen, um ein wunderbares Leben führen zu können.

 

Sprich mit derjenigen Person und prüfe, was es mit dir selbst zu tun hat. Wie schon erwähnt, du kannst das Gespräch auch später führen. Schiebe es aber wirklich nicht auf die lange Bank und kehre es auch nicht unter den Teppich. Du kannst sicher sein, nicht aufgelöste Themen werden immer wieder an deine Türe anklopfen, solange, bis du sie aufgelöst hast. Die Entscheidung liegt ganz allein bei dir. Und tue nichts, was du später bereuen könntest. Denk daran, das Resonanzgesetz funktioniert auf beide Seiten, also lass dich nicht von Rachegefühlen leiten. Denn das was du aussäst, wirst du ernten!

 

Ein Tipp noch 😉. Wenn du eine SMS, eine WhatsApp-Nachricht oder eine E-Mail usw. liest, denk daran, es sind nur geschriebene Worte. Es sind nur Texte. Ohne Gefühle. Du selbst verleihst den geschriebenen Worten Gefühle. Bist du in schlechter Stimmung, interpretierst du Worte oft anders, als in guter Stimmung. Sprachnachrichten, Telefongespräche oder Videocalls z.B. können Missverständnissen vorbeugen, denn dann hörst du die Stimme des anderen. Klingt sie monoton, genervt oder fröhlich? 😉 

 

Eure Daniela

 

Namaskar-Seelengeschenk

IFNB Namaskar-Institute Ltd

 

Warst du schon gekränkt ? Oder welche Erfahrung durftest du schon (er)leben? Schreibe es uns doch in die Kommentare, sind wir doch alle nicht alleine ;) 

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Kommentare: 1
  • #1

    ERIKA Kroh (Samstag, 29 Juni 2019 16:25)

    Herzlichen Dank liebe Daniela für den wundervollem Bericht ����