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Abgrenzung – sich selber Grenzen setzen

Wir alle kennen Regeln und Grenzen. Wir sind damit aufgewachsen. Schon im Kindesalter bekommen wir «eingetrichtert», was man darf und was nicht oder was man soll und was besser nicht. Wir wachsen mit Regeln und Grenzen auf, die wir von Eltern, Familie, Lehrern oder der Gesellschaft gelernt, übernommen oder einfach nur abgekuckt haben.

 

Abgrenzung ist auch eines meiner Themen. Ich möchte euch daran teilhaben lassen, wie ich dieses Thema in der Vergangenheit wahrgenommen habe und wie ich heute damit umgehe.

 

Ich gehe hier bewusst nicht in die Tiefe, da dies Seiten füllen würde.

 

Fakt ist, dass das Wort «Abgrenzung» in meinem Vokabular überhaupt nicht existierte. Mir kam es gar nicht in den Sinn, mich abgrenzen zu wollen oder zu müssen. Wenn ich so zurückdenke, war ich dafür sehr gut darin in Schutzmauern aufstellen. Das war mir damals aber nicht wirklich bewusst.

 

So wie viele andere auch konnte ich irgendwie nicht «Nein» sagen. Ich habe Dinge getan, wozu ich keine Lust hatte. Ihr wisst wovon ich rede, ihr kennt das sicherlich auch. Oft habe ich mich zu etwas überreden lassen, was ich nicht wollte. Oft waren da Gedanken wie «Ich muss ja, sonst gibt’s Ärger». Oder ich möchte niemanden verletzen. Oder ich dachte, dass sie mich dann nicht mehr mögen, wenn ich «Nein» sage. Oder, dass ich dann nicht mehr geliebt werde. Ja, ich hatte schlicht weg einfach Angst. Angst jemanden zu verlieren, nicht mehr geliebt zu werden, als Versager dazustehen oder als Egoist oder, oder, oder.

 

Wenn ich mich dann doch mal dazu durchgerungen habe «Nein» zu sagen, hatte ich ein schlechtes Gewissen, sogar Schuldgefühle. Ich habe mir den Kopf der anderen zerbrochen. Mir Fragen gestellt, wie «Was denken sie jetzt von mir?» usw.

 

Ich «erkaufte» mir quasi die Liebe und Aufmerksamkeit auf Kosten meiner Seele und somit auf Kosten meiner Gesundheit.

 

Heute weiss ich, dass es Körper und Seele krankmacht, wenn wir nicht lernen uns abzugrenzen, wenn wir nicht zu uns schauen und uns darum kümmern, dass es uns gut geht. Irgendwann bekommt man vom Körper den Denkzettel verpasst. Ich durfte dies mehrere Male am eigenen Leib erfahren.

 

Heute weiss ich auch, dass ich selber dafür zu sorgen habe, dass es mir gut geht. Früher habe ich einfach den anderen den schwarzen Peter zugeschoben, wenn es mir schlecht ging. Es waren immer die anderen dafür verantwortlich, nie ich selbst.

 

Es gibt viele Grenzen in unserem Leben, welchen wir täglich begegnen, welche wir als selbstverständlich annehmen. Oder Regeln, welchen wir täglich ohne darüber nachzudenken folgen.

 

So z.B. sind die Parkplätze vor dem Haus vermietet. Meiner ist Nummer 5. Ich werde mein Auto also nicht auf Parkplatz 6, den meines Nachbarn, stellen. Auf der Strasse steht ein «Keine Durchfahrt-Schild», so werden die meisten Autofahrer nicht durchfahren. Der Pflaumenbaum steht im Garten des Nachbarn. Ich weiss also, dass ich die Früchte nur mit Einverständnis des Nachbarn pflücken darf (oder nachts, wenn niemand zuschaut 😊).

 

Grenzen können uns helfen Klarheit zu gewinnen, wofür wir zuständig sind und wofür nicht. Wenn Unkraut in Nachbars Garten wuchert, ist uns klar, wer dafür zuständig ist, den Garten zu pflegen. Oder wenn das Auto eines Freundes schmutzig ist, ist uns auch klar, wer dafür zuständig ist es zu waschen oder waschen zu lassen.

 

Unser Leben ist voll mit Grenzen. Weshalb haben wir denn so viel Mühe uns selbst Grenzen zu setzen?

 

Für mich ist Abgrenzung so etwas wie eine Firewall für die Seele. Wir selbst tragen die Verantwortung für unser eigenes Wohl.

 

Naja, die Aussage «Grenzen setzen» klingt für viele vielleicht etwas hart. Es wird oft unwillkürlich mit «Mauer aufstellen» oder «Festung um sich herum bauen» assoziiert. Man kann sich auch auf liebevolle Art abgrenzen.

 

Auch Menschen, die nicht in der Lage sind, Grenzen zu setzen oder es vielleicht einfach nicht wollen, müssen sich aber dennoch ab und zu schützen. Sie tun das unbewusst. Sie verhalten sich z.B. distanziert oder sie gehen nicht ans Telefon (lassen sich vielleicht sogar verleugnen) oder sie verhalten sich schroff, halten andere auf Distanz, reagieren wütend usw. Ich mag z.B. mit einer Person nicht sprechen, dann nehme ich einfach den Anruf nicht entgegen. Ja, auch ich habe dies gemacht. Auf diese Weise grenze ich mich unbewusst ab.

 

Das Leben ist aber doch viel schöner, wenn ich offen darüber reden kann, was ich möchte und was nicht, wer ich bin und wer nicht. Andere wissen zu lassen, was sie von mir «erwarten» dürfen und was nicht.

 

Jedes Mal, wenn ich nicht so handle, wie ich es gerne möchte, überlege ich mir, weshalb dies so ist? Wovor habe ich Angst? Angst davor jemanden zu verletzen? Angst davor nicht mehr gemocht zu werden? Angst davor als egoistisch hingestellt zu werden? Angst davor einen Streit anzuzetteln? Wovor habe ich Angst? Was ist es? Ich beschäftige mich dann damit, auch wenn es nicht immer toll ist, bei sich selbst hinzuschauen.

 

Ich habe gelernt, dass ich auch liebevoll «Nein» sagen kann. Ich muss also nicht gleich ein hartes, brüskes «Nein» rausposaunen. Wie man so schön sagt «Der Ton macht die Musik». Aber es ist wichtig, ein «Nein» klar und deutlich zu kommunizieren.

 

Manchmal ist aber vielleicht nur der Zeitpunkt ungünstig, d.h. an diesem bestimmten Tag geht es mir nicht, aber vielleicht eine Woche später. Das kommuniziere ich dann auch so, aber auch nur, wenn es sich für mich stimmig anfühlt.

 

Ja und natürlich haben die Menschen in meinem Umfeld komisch reagiert, vor allem in meinem nahen Umfeld. Sprüche wie «Was ist mir dir denn los»? usw. waren anfangs normal. Aber das legt sich mit der Zeit. Es ist einfach nur ungewohnt für die anderen.

Es ist doch für alle einfacher, wenn eine offene und klare Kommunikation stattfinden kann. Das Leben macht doch mehr Freude, wenn man sich nicht «verstellen» muss.

 

Das Leben liefert uns fortlaufend Übungsfelder, wo wir das Abgrenzen lernen dürfen. Inzwischen kann ich mich immer besser abgrenzen. Klar, es funktioniert noch nicht immer, es klappt aber immer besser. Es werden immer wieder neue, schöne Übungsfelder auftauchen. Aber eines ist sicher, es wird immer einfacher, damit umzugehen.

 

Alles braucht seine Zeit. Man lernt nie aus.

 

Bitte schreibe uns im Kommentar wie du gelernt hast dich abzugrenzen! Findest du Abgrenzung wichtig oder fällt es dir eher schwer? 

 

 

Daniela Aguiari

 

 

  

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